Exkursion zum Handwerksbetrieb der Firma Preißler

Firma PreißlerDie Klasse 3 bedankt sich für die interessante Führung durch den Betrieb der Raumausstattung Preißler in Colmnitz im Schuljahr 2000/2001. Ganz gespannt hörten wir zu, als uns Herr Preißler aus seinem Leben und von seinem Handwerksbetrieb erzählte.

Aus Herrn Preißlers Kindheit

Herr PreißlerErhard Preißler wurde 1934 im Sudetenland geboren. Heute gehört dieser Teil des Landes zu Tschechien.
Herr Preißler hat vier Geschwister. Für die gesamte Familie war es sehr traurig, als sie erfuhren, dass zwei Brüder aus dem Krieg nicht wiederkamen. Als er 1940 eingeschult wurde, gab es „nur“ einen Blumenstrauß und keine Zuckertüte. Die erste und zweite Klasse lernte gemeinsam in einem Raum. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln und später dann mit Feder und Tinte.

Herrn Preißlers Lehrer hieß Adolf Hocke. Mit dem Rohrstock oder dem Lineal bekamen die Kinder ihre Strafe, wenn sie nicht aufpassten. Auch Ohrfeigen gab es. Nach dem Unterricht musste Herr Preißler zu Hause helfen, z.B. Feuerholz holen, Eier aus den Nestern der Hühner nehmen oder Garben aufstellen.

Herr Preißler zeigt seinen Gesellenbrief1945 musste die Familie Preißler aus dem Sudentenland auswandern. Sie durften nur so viel von zu Hause mitnehmen, wie sie tragen konnten. Als sie in Colmnitz ankamen, mussten sie bei einem Bauern in der Scheune schlafen. Eigentlich durften sie nur höchstens drei Wochen bleiben. Bei Erler-Bauers durften sie arbeiten und bekamen dafür Lebensmittelkarten.
Nun war es auch möglich, eine Wohnung zu beziehen. Die 6. bis 8. Klasse besuchte Herr Preißler in Colmnitz.

Herr Preißler besaß ein Schaukelpferd, das die Eltern selbst angefertigt hatten. Das Spielzeug wurde dann von einem Kind zum anderen weitergereicht. Oft spielten sie auch im Wald oder fuhren im Winter mit ihren Skiern. Sein erster Ball hielt nur einen Tag, so erzählte er uns. Beim Spielen flog dieser auf einen Nagel im Zaun.

Nach Abschluss der Schulzeit begann Herr Preißler die Lehre zum Sattler und Tapezierer bei Bruno Jungnickel. Drei Jahre dauerte die Lehrzeit. Herr Preißler beim Ledernähen

Das Sattler- und Tapeziererhandwerk

In Erinnerung an seinen kaputten Ball beschloss Herr Preißler, selbst Bälle herzustellen. Sie bestanden aus 32 Teilen. Außerdem arbeiteten die Sattler früher mit dem Sattlerross. Mit Sattlerahle und Sattlernadel erhielt man eine sehr feste Naht. Zugbänder für Pferdegeschirre wurden damit genäht.

Der Tapezierer und Polstermöbelhersteller stellte zum Beispiel Stühle her. Zuerst wurden für die Sitzfläche Gurte gespannt und Federn aufgestellt, die mit Schnurfäden zusammengebunden wurden.

Herr Preißler mit Flachswerg Die Stühle werden gefüllt
Flachswerg (Abfall der Flachspflanze) befestigte man darüber. Anschließend gab man Rosshaar darauf und bezog die Sitzfläche mit weißem Nesselstoff. Zum Schluss erhielt der Stuhl noch einen schönen Polsterstoffbezug.
Zopf aus Rosshaar Das Rosshaar wurde zu einem Zopf geflochten.
Rosshaarzupfmaschine Rosshaarzupfmaschine
Mit einer handbetriebenen Rosshaarzupfmaschine wurde es bearbeitet.
Durch das Drehen des Handrades fassen die Zähne der Maschine das Rosshaar und machen es locker.
Herr Preißler mit einer Nähmaschine

Die Firma Preißler heute

Die links dargestellte Nähmaschine wird heute auch noch hin und wieder benutzt. Zum Beziehen von Stühlen werden fertige Federkörbe geliefert. Außerdem wird mit der Rundmessermaschine, der Einnadel- und Mehrnadelnähmaschine und dem Schnellnäher gearbeitet.
Für das Abschleifen des Fußbodens benutzt Herr Preißler eine Fußbodenschleifmaschine. Genagelt wird mittels Pressluft, Herr Preißler zeigt es im unteren Bild.
Herr Preißler zeigt das Pressluftnageln.
Heute werden folgende Arbeiten angeboten:
  • Herstellung von Polster- und Stilmöbeln – die Firma Preißler arbeitet im Schloss Pillnitz und im Bachmuseum Köthen mit.
  • Anfertigung von Gardinen und Fensterdekorationen
  • Verlegung von Teppichböden
  • Montage von Jalousien, Rollos, Markisen, Rollläden und Wintergartenbeschattungen
Polstrmöbel
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